Etappe 3   Badener Höhe – Schliffkopf 27,5km

P1020145_tonemBBBNach der etwas unruhigen Nacht gab es einen ruhigen und wunderschönen Sonnenaufgang. Am Fuß des Turms in den wärmenden Sonnenstrahlen saß ich nun und genieße mein Haferflocken-Frühstück und den Fertigkaffee. Da das Zelt schon verpackt war, dauerte die Packprozedur heute nicht so lang und bald war ich auf dem Weg Richtung Herrenwieser-Sattel. Bei Sand treffe ich zum ersten Mal auf die Schwarzwaldhochstraße B500, deren Verlauf der Wanderweg nun einige Zeit folgt. Beim Schilift Hundseck ist noch alles verschlafen als ich dort ankomme und die Ruinen die dort noch stehen oder zum Teil schon abgerissen wurden, bieten ein nicht so schönes Bild vom Schwarzwaldtourismus früherer Zeiten. Über den Grindengipfel geht es zum Hochkopf.

Vorher mache ich mich aber noch auf die Wassersuche. An einer Weggabelung vor dem Hochkopf stand ein Hinweisschild „Schwabenbrunnen“ 200m. Ich dachte noch, hoffentlich ist es nicht nur eine alte Ortsbezeichnung sondern ein richtiger Brunnen, weil ich nämlich nur noch wenige Tropfen Wasser in meinen Flaschen hatte.

Also los, auf den Weg – 200m sind ja nicht so viel. Dort angekommen stand zwar Wasser in einem Graben an dem Ort der Schwabenbrunnen hieß, aber von Brunnen wie ich sie bisher gesehen hatte, weit und breit nichts zu sehen. Üppiger Grasbewuchs machte mich neugierig und als ich näher herantrat, meinte ich ein leichtes Plätschern zu hören. Meine Ohren führten mich näher an das Wassergeräusch hin. Ich begann einige Grasbüschel zu entfernen und es zeigte sich eine alte Sandsteinwand vermutlich das Brunnenbehältnis früherer Zeit. Im Brunnen selbst war kein Wasser vorhanden, weil der Behälter wohl undicht war, aber das Rinnsal, das den Brunnen eigentlich füllt, plätscherte von der Seite dort hinein. So hab ich mich mit meiner Wasserflasche etwa 30cm in den Brunnen hinab gebeugt und in gefühlt unendlich langer Zeit die erste Wasserflasche gefüllt. Das Wasser war frisch, kühl und hatte eine etwas grünliche Farbe, aber es schmeckte hervorragend. Jetzt noch die zweite Flasche gefüllt und dann wieder weiter zurück auf den Westweg und hoch zum Hochkopf (1039m Höhe) .

Der Hochkopf ist ein Naturschutzgebiet und zum Teil mit Bohlenwegen  versehen. Der Abstieg nach Unterstmatt ist sogar zum Teil mit Granitplatten ausgelegt.

In Unterstmatt angekommen, gönne ich mir in der Hochkopf-Stub ein herrliches Rumpsteak mit Kräuterbutter und Pommes, und weil ein Salat nicht reichte gleich noch einen zweiten Salat hinterher sowie ein feines Weizenbier ich glaube von Ketterer.

Diese Kräftigung war notwendig um den bevorstehenden Anstieg über Ochsenstall zum Hornisgrindengipfel (1164m Höhe) gut überstehen zu können.

Der Bismarckturm bot mir einen herrlichen Rundumblick über den Nordschwarzwald und das Rheintal. Vorbei am Hornisgrinde-Turm geht es nun wieder teilweise schwierig abwärts bis sich uns der Blick auf den Mummelsee (1035m Höhe) öffnet.

Am Mummelsee befindet sich unser nächstes Westweg-Portal und kurz darauf ziert mein vierter Stempel meine Karte. Beim WW-Portal ist auch ein Brunnen zum Erfrischen und Wasser nach zu füllen.

Weiter gehts Richtung Seibelseckle –  der langgezogene Weg zieht sich oberhalb der Bundesstraße und unterhalb von Lothar zerstörtem Waldbestand den Berghang hoch. Voll in der Sonne aber mit herrlichen Ausblicken ins Rheintal. Die „Sonnentour“ endet kurz nach dem Seibelseckle in der Darmstädter Hütte, wo ich mir auf der Terrasse unterm Sonnenschirm ein herrlich frisches Weizenbier gönne.

Weiter gehts nun über den Seekopf zum Wildseeblick – ich befinde mich nun im neu geschaffenen Naturpark Nordschwarzwald, um den es soviel Rummel in Presse, Funk und Fernsehen vorher gab – nach dem Wildseeblick bei dem auch das Grab des 1913 gestorbenen Orientalisten Julius Euting gelegen ist, geht es nach Ruhestein (915m Höhe).

Beim Abstieg neben dem Sessellift hole ich mir meine erste Wasserblase. Dennoch steige ich noch weiter auf zum Schliffkopf (1055m Höhe) wo ich beim Kriegerdenkmal am Schliffkopfrundweg gegen Abend mein Zelt für die Nacht aufschlage. Nach dem Abendessen leg ich mich in meinen Schlafsack und bald war ich eingeschlafen. Die Nacht war ruhig und nicht so stürmisch wie auf der Badener Höhe zuvor. Gegen 6 Uhr morgens locken mich die Sonnenstrahlen und das Zwitschern der Vögel aus meiner kuscheligen Schlafwelt . . .

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Etappe 2  Schweizerkopf-Hütte – Badener Höhe 29,6 km

P1020091_tonemBBBUm 6.30 Uhr trieben mich die zwitschernden Vögel aus dem Schlafsack (ok auch die Blase drückte schon wieder).  😉  Da alles nass war und auch das Zelt nass eingepackt werden musste, verzichtete ich auf ein Frühstück vor Ort und wollte es bei nächster besserer Gelegenheit nachholen. Trotzdem dauerte es wegen der noch fehlenden Einpackroutine bis 7.30 Uhr bis ich vom Lagerplatz loslegte.

Nach 3,3 km kam ich zur Hahnenfalzhütte. Sie war zwar nicht geöffnet, bot aber nach dem Nebelmarsch bis hierher einen Unterstand und einen Tisch mit Bank, wo ich mein Frühstück bereiten konnte. So gab es zum ersten Mal Haferflocken mit Milchpulver (neue Erfahrung für mich) und was ich erst im Laufe der gesamten Wanderung immer mehr zu schätzen lernte ist, dass ich am Brunnen bei der Hütte klares frisches Wasser in meine Trinkflaschen füllen konnte. Und man glaubt gar nicht, wie gut so ein frisches Wasser schmeckt.

Nach dem Frühstück nahm ich nun die nächsten Kilometer in Angriff und es ging über Kaltenbronn, Hohlohsee bis zum Hohlohturm. (984m Höhe). Einige Mountainbiker begegneten mir dort und genau wie ich wollten Sie über den Latschigfelsen ins Murgtal nach Forbach absteigen.

Eine herrliche Aussicht gab’s beim Latschigfelsen und dort bot sich auch die Gelegenheit den Sitz der Schuhe zu überprüfen, das steile Absteigen drückte den Fuß immer ganz nach vorne in den Schuh und die Gefahr einer Wasserblase oder von Druckstellen war dadurch stark erhöht. Am Hexenbrunnen bei Gausbach (400m Höhe) war wieder Wasser „bunkern“ angesagt und auch so konnte man sich dort ein wenig erfrischen. Der Fahrstraße entlang gelangt man in den Ort, wo einen das nächste Westweg-Portal empfängt und man seinen dritten Stempel auf die Karte drucken kann.

Über die berühmte Holzbrücke überquerte ich nun in Forbach die Murg (300m Höhe) und ging der Hauptstraße entlang die andere Bergseite an. Da keines der kulinarischen Angebote im Ort mich zu überzeugen wusste, stieg ich eben sofort den steilen Anstieg bis zur Maria-Hilf-Kapelle (380m Höhe) hinauf und am dortigen Brunnen füllte ich meine Wasserdepots erneut auf. Nach einem kurzen Gespräch mit meinem Liebling zuhause, um sie über meine weiteren Pläne und Ziele zu informieren, mache ich mich auf den (mühsamen!) Anstieg zur Wegscheidhütte. Die Wegscheidhütte ist eine neuzeitliche Schutzhütte mit einem Schlafbereich im Dach und Essplätzen mit kleinen Tischen im unteren Bereich. Davor gibt es Holzbänke und -tische und eine Feuerstelle. So dass man dort gut eine Nacht verbringen kann. Ein Hinweisschild informiert darüber, dass in wenigen hundert Metern ein Brunnen frisches Wasser bietet.

Hier blieb ich um mein Mittagessen zu zubereiten. Es gab Nudeln mit Ente und eine Nudeltasse mit Huhn!!! Ein kurzer Gedanke hier die Nacht zu verbringen verdränge ich gleich wieder, weil die Neugier auf die Schwarzenbachtalsperre zu groß ist. Am schon genannten Brunnen fülle ich das beim Kochen verbrauchte Wasser wieder nach und weiter geht’s zum Stausee.

Den Stausee kannte ich schon von verschieden Besuchen, aber noch nie hab ich ihn auf dieser Seite gesehen bzw. bin daran entlang gelaufen. So geht es weiter am Zulauf des Sees, hinauf zum Herrenwieser See und vorbei am Bussemer Denkstein (Philipp Bussemer war ein Baden-Badener und Mitbegründer des Westwegs) auf die Badener Höhe (1002m Höhe). Vom Großherzog Friedrich Turm  bietet sich ein traumhafter Blick ins Rheintal und natürlich auf das nächste hohe Ziel – die Hornisgrinde.

Auf der Badener Höhe schlage ich mein nasses Zelt neben dem Turm und der Schutzhütte auf und hoffe, dass es wieder trocken wird..

Langsam verlassen die letzten Mountainbiker und Wanderer den Platz und den Turm und ich kann mich ein wenig ausbreiten, um Schlafsack und Inlet zum Trocknen aufzuhängen. Nach etwas Ausruhen gibt’s Abendessen und der zunehmende Wind nach Sonnenuntergang bestärkt mich das inzwischen trockene Zelt wieder einzupacken und dafür das Lager in der Schutzhütte herzurichten.

Der Nordost-Sturm der die ganze Nacht über die 1000m-Gipfel fegt war sowas von laut, dass ich heilfroh war, die Entscheidung für die Schutzhütte getroffen zu haben.

TIPP: Nachts beim Nordostwind beim Pinkeln ist es wichtig die richte Position zum Wind einzunehmen 😉

Etappe 1: Birkenfeld – Schweizerkopfhütte 25,8 km

P1020062_tonemappedUm 10 Uhr, nach meinem Frühstück zuhause, starte ich jetzt richtig in das Abenteuer Westweg 2014. Mein Plan ist es nochmal den Westweg mit Rucksack zu erwandern, ohne geplante Übernachtungen. Im Rucksack, der ungefähr 14kg wiegt, habe ich ein Einmann-Zelt, Luftmatratze und Schlafsack sowie Gaskocher, Essgeschirr und Essen für 12 Tage dabei. Die Wetterprognose für die nächsten 10 Tage sieht so schlecht nicht aus, nur an einem Tag der nächsten Woche ist Regen in der Vorhersage angezeigt. Mal sehen in wie weit man sich auf die Wetterfrösche verlassen kann!

Von Birkenfeld geht es zum Buchberg nach Neuenbürg und dort weiter bis  zur Schwanner Warte auf 490m. Das ist ein Ausflugsziel mit herrlicher Sicht übers Land. Startplatz für Segelflieger und Ausflugslokale sind Anziehungspunkte für Wanderer, Radfahrer und MotorBiker. Ich gönne mir an dieser Stelle schon mal die erste Currywurst bevor ich den Anstieg nach Dobel beginne. Im schattigen Wald steigt man nun bis zum Dreimarkstein hoch auf 675m. Danach kommt man am Volzemer Stein einem Felsenmeer vorbei bevor man dann den Ort Dobel erreicht wo beim Kurhaus das nächste Westweg-Portal mit dem zweiten Stempel für die Westweg-Karte steht.

TIPP: das Kurhaus ist Feiertags zwar geschlossen, aber die Toiletten können von jedem genutzt werden und so kann man dort auch an Wasser kommen.

 

Vorbei am Wasserturm von Dobel geht der Westweg weiter und ich folge dem Weg noch bis wenige Meter nach der Schweizerkopf-Hütte. Beim WeithäuslePlatz habe ich gegen 18 Uhr zwei junge Männer angesprochen die gerade dabei waren vor der Hütte ihre Zelte aufzubauen. Sie sind auch auf dem Westweg nach Basel unterwegs.

 

Um 18.30 Uhr finde ich einen grasbewachsenen vom Westweg abzweigenden Waldweg, der sich anbietet dort das Zelt aufzuschlagen. Gesagt getan, Kocher raus und erstes Abendessen zubereitet. Ramen Nudeln mit Ente-Geschmack. Hat auch gut geschmeckt. So gegen 20 Uhr lag ich schon im Zelt und bin auch bald eingeschlafen.

 

Was ich nicht geahnt hatte bzw. womit ich nicht rechnete, war, dass es nachts Nebel gab und alles um das Zelt mit Nebeltau bedeckte.

Prolog –

P1020049BBBProlog:  Pforzheim – Birkenfeld „Birkenfelder Hof“  7,6 km

Martina und Thomas fahren mich nach Pforzheim zum Kupferhammer. Das ist eine urige Gaststätte mit Biergarten an der Mündung der Würm in die Nagold. Dort beginnen die Fernwanderwege über den Schwarzwald. Der Ostweg, der Mittelweg und der Westweg starten an der Goldenen Pforte, dem ersten der 12 weiteren Westweg-Portale.

 

Nach der Verabschiedung starte ich meinen ersten Aufstieg auf dem Westweg zur Ruine Hoheneck und dann weiter in den Pforzheimer Stadtteil Dillweißenstein. Über den Sonnenberg folgt der Westweg dann einige Meter dem Wasserleitungsweg bevor dann beim Tornado-Stein hinab zur Enz gewandert wird. Übrigens: der Tornadostein erinnert an den verheerenden Wirbelsturm der am Abend des 10. Juli 1968 eine Schneise ins Land zog dem Waldfläche, Häuser und auch Menschen zum Opfer fielen.

 

Am Enzsteg bei Birkenfeld muss sich der Wanderer zwischen zwei Varianten entscheiden. Die vermeintliche leichtere Variante an der Enz entlang Richtung Schloss Neuenbürg oder die „Höhenvariante“ über Birkenfeld. Höhenvariante hört sich schwierig an, aber aus zwei Gründen wähle ich diesen Weg. Erstens sind es nur noch wenige Meter bis zu meiner Wohnung und ich kann nochmal dort übernachten, bevor es endlich richtig los geht. Zweitens kenne ich von vielen Jogging- Mountainbike- bzw. Wandertouren die Enzvariante und den Anstieg  und sofortigen Abstieg vom Schloss Neuenbürg um dann wieder quasi von Null (wirklich sind es glaube ich 280 Meter Höhe) aufzusteigen zum Neuenbürger Buchberg, wo die beiden Varianten sich wieder vereinigen.

Einige Tage später treffe ich vor Hausach ein Wanderpärchen das sich mit nicht so großer Begeisterung über diese „Schikane“ in Neuenbürg auslässt.

Wie gesagt, die Höhenvariante in Birkenfeld steigt am Anfang kurz steil an bis Birkenfelds Marktplatz überquert wird, dann noch einige Höhenmeter bis hinter dem Waldfriedhof, dann aber ist es ein schöner, leicht begehbarer Waldwanderweg bis Neuenbürg Buchberg.

 

TIPP: Wanderer die erst Mittags nach Pforzheim anreisen, können die ersten Kilometer in etwa 1,5 Stunden bis Birkenfeld zurücklegen und finden dort wenige Meter vom Westweg entfernt im Hotel/Gasthof „Birkenfelder Hof“ eine vorzügliche Küche und ausgezeichnete Zimmer zur Übernachtung.