Fazit – was bleibt?

Was bleibt im Kopf?

Eine ganz besonders intensive Erfahrung. Eng mit und in der Natur läuft man Tag für Tag viele Kilometer durch den Schwarzwald und wird allmählich Teil der Stille die einen umfängt. Morgens mit der Dämmerung beginnt das Leben im Wald. Die Vögel wecken einen im Zelt oder der Schutzhütte, begleiten einen den ganzen Tageslauf und man meint es sind oft dieselben die man zwitschern hört. Abends wenn die letzten Sonnenstrahlen aufgehört haben den Wald rot zu beleuchten und so langsam der Mond und die Sterne sich am Firmament breitmachen, hört es auf dieses Grundgeräusch im Wald. Die Nacht ist still.

Groß ist auch der Schock, wenn man dann einige Tage durch diese „quasi Stille“ gewandert ist und der Westweg berührt wie z.B. in Hausach wieder eine größere Stadt. Der Lärm knallt einem geradezu vor den Kopf und kommt einem noch viel gewaltiger vor, als man ihn je erlebt hat. Dann ist man wirklich froh, wenn irgendwo die Markierungen des Westweges – die roten Rauten – wieder in den Wald zeigen.

Wasser ist auch so ein Thema: Noch nie hab ich einen Schluck Quellwasser als so köstlich empfunden. Noch nie hab ich beim Wasser unterschiedliche Geschmäcker entdeckt. Das Wasser jeder Quelle hat seine eigene Farbe, seinen eigenen Geschmack. Und welche Begeisterung ruft es hervor, wenn man an einer frischen Quelle seine Wasservorräte wieder auffüllen kann.

Selbstorganisation: Schnell lernt man sich selbst zu organisieren. Wo ist meine Karte? Wo die Sonnencreme? der Labello? das Taschenmesser? der Ersatzakku? das Handy? Schnell organisiert man seine Hosentaschen, die Rucksacktaschen um so wenig wie möglich den Rucksack ausräumen, umräumen, absetzen, aufsetzen zu müssen oder immer schnell zu wissen in welcher Hosentasche was steckt. Suchen kostet Zeit und ist nervig!

Tiere: Tiere ließen sich wenige blicken. Die Wölfe, Bären, Wildschweine vor denen mich so mancher Freund und Berater gewarnt hatte, ließen sich nachts an meinem Zelt nicht sehen.

Ein einziges scheues Reh erschreckte ich eines frühen Morgens als ich durch den dichten Nebel stapfte. Im dunklen Schwarzwald glaubte ich einmal einen Uhu zu hören. Zu sehen war von ihm aber nichts. Einen Weißstorch, Frösche und Qaulqappen waren da deutlicher auszumachen. Ganz zu schweigen von den vielen Kühen und Pferden auf den mit Elektrozäunen eingefassten Weiden.

„Was machst Du alleine den ganzen Tag?“ wird man vorher gefragt.

Nun weiß ich es. Man beginnt morgens zu laufen, von Wegmarkierung zu Wegmarkierung von Etappenpunkt zu Etappenpunkt, vom Tal zum Gipfel, vom Gipfel ins Tal. Wenn man Durst hat, trinkt man einen Schluck aus der Flasche, hat man Hunger greift man zum Energieriegel oder es kommt vielleicht gerade eine Gaststätte ein Ausflugslokal oder eine bewirtschaftete Hütte wo man etwas Feines oder Herzhaftes zu essen bekommt. Geht es gegen Abend zu überlegt man wo man das Zelt aufschlagen kann. Hier vielleicht die Info, dass es gar nicht so einfach ist auf dem Westweg einen Zeltplatz zu finden. Meist sind die Hänge am Wegrand nicht flach sondern steil. Oft ist links und rechts vom Weg der Wald dicht mit Heidelbeerpflanzen, Farnen, Sträuchern, Brennesseln oder sonstigen höheren Pflanzen bedeckt. Schwierig dort zu zelten.

Werden die Füße so langsam müde, beginnt man auch manchmal die Schritte zu zählen bis der nächste Punkt auf dem Hinweisschild erreicht ist. Gedanken jagen ständig durch den Kopf. Aussichten ins Tal oder Blicke von erhöhten Positionen motivieren zum Fotografieren und sowieso ist das fotografische Auge ständig auf der Jagd nach besonderen Motiven – und es gibt viele davon entlang des Westweges.

Auch hab ich mich ertappt Gespräche zu führen – mit Freunden, mit Kollegen, mit der Frau, den Kindern, Enkeln, in Deutsch, in Spanisch in Englisch. Alles geht einem durch den Kopf. Sogar hab ich mal versucht soviel wie mögliche Nationalhymnen zu pfeifen. Ehrlich gesagt mir sind nur 4 davon eingefallen wo ich einigermaßen die Melodie zusammen brachte. Man pfeift Lieder aus der Kindheit, Wanderlieder, Fahrtenlieder . . . alles was einem durch den Kopf geht . .  Beethovens 5te  war auch dabei und vieles mehr. So geht der Tag vorbei.

Man kommuniziert auch mit anderen Wanderern. Wohin des Wegs? Was ist das Ziel noch heut? Woher kommst Du?

Auf jeden Fall kann ich für mich sagen, dass es auf der 10tägigen Wanderung keine Minute gab, in der es mir langweilig war oder ich mich lieber einen Tag weiter gewünscht hätte.

Höhepunkte gab es viele. Nehme ich nur die vielen Gipfel die der Westweg bietet. Angefangen im Nordschwarzwald, Hohlohturm, Badener Höhe, Hochkopf, Hornisgrinde, Schliffkopf, später Brandenkopf, Brend und dann im Hochschwarzwald das Highlight der Feldberg, der Belchen und auch noch der Blauen. Viele weitere Aussichtspunkte, Tiefblicke und sogar das Erlebnis die Alpen zu sehen bot sich mir.

Dazu hat natürlich beigetragen, dass das Wetter so hervorragend mitspielte.

Aber auch die Kilometer die ich mit Regenkleidung lief, waren irgendwie ein besonderes Erlebnis und keine Last. Zugegeben wenn man mal 2, 3 oder mehr Tage im Regen laufen muss sieht das vielleicht wieder anders aus. Ich hatte das Glück, nur ungefähr 2 Stunden mit Regenkleidung marschieren zu müssen.

„Was war schwierig?“ werde ich oft gefragt. Ich denke schwierig sind die langen Aufstiege z.B. am Farrenkopf oder auch in Forbach hoch zur Badener Höhe. Aber eigentlich nur schwierig im Sinne von mühsam, anstrengend. Bei richtiger Kondition und Vorbereitung aber kein Problem und hinterher auch gleich wieder vergessen.

Das ist aber auf jeden Fall die Empfehlung. Richtig vorbereiten. Laufen, Laufen, Laufen! Und  vor allem auch bergauf bergab mit Gewicht auf dem Rücken trainieren! (Gilt natürlich hauptsächlich für die Selbstversorger, so wie ich einer war)

Würdest Du es nochmal tun? Antwort ja! Uneingeschränkt!

Mal sehen – es gibt ja noch den Mittelweg und den Ostweg! 😉

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3 Gedanken zu „Fazit – was bleibt?

  1. Hallo Harald, war sehr gefesselt von deir Wanderbeschreibung des Westweges und von den ganzen ,tollen und interesanten Eindrücken. Respekt für diese Leistung und willen in Deiner Vorbereitung! Habe mir einiges bildlich vorstellen können und glaubte auch die Stille und die Laute des Schwarzwaldes mit zu empfinden. Wie gesagt tolle Leistung und super schöne Bilder. Grüßle Thomas

  2. Hallo Harald,
    ganz toll, Deine Vorbereitung und vor allem Deine Ausführung. Echt tolle Leistung.
    Vor 37 Jahren haben wir auch den Westweg gemacht. Es war einer unserer schönsten Urlaube.
    Liebe Grüße, noch schöne Weihnachten und ein gutes Jahr 2015
    Gerhard aus dem Pfinztal

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